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Parallelen schneiden sich im Unendlichen

Betrachten wir zwei verschiedene Geraden in der Ebene, so gibt es zwei Möglichkeiten wie diese Geraden zueinander liegen können - sie können sich schneiden oder parallel sein. Betreibt man nun mit den herkömmlichen Mitteln euklidische Geometrie und möchte den Schnittpunkt dieser Geraden bestimmen, ist man schon hier bei diesem einfachen Beispiel an einem Punkt angekommen, an dem sich Fallunterscheidungen einstellen. Der Grund hierfür ist, dass sich der Schnittpunkt als Lösungsmenge eines linearen Gleichungssystems ergibt, welches im Fall von sich schneidenden Geraden eine eindeutige Lösung, den Schnittpunkt, hat und im Fall von parallelen Geraden unlösbar ist.

Einen Ansatz, der diese Situation weitestgehend vereinheitlicht und Fallunterscheidungen vermeidet, wird von der projektiven Geometrie bereitgestellt. Um anschaulich zu begreifen, was in diesem Fall geschieht, betten wir die euklidische Ebene im dreidimensionalen Raum so ein, dass wir nicht direkt von oben auf die Ebene blicken, sondern von der Seite. Im nachstehenden Applet ist dies vorbereitet:

Man kann die dargestellte Ebene durch Ziehen mit der Maus im dreidimensionalen Raum drehen. Achten Sie dabei auf die verschiedenen Parallelenbüschel. Wie verhalten diese sich, wenn Sie die Ebene im Raum drehen?

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Wie Sie unschwer erkennen konnten, schneiden sich parallele Geraden in einem Punkt am Horizont. D.h. parallele Geraden schneiden sich doch, bloß wird dieser Punkt nur sichtbar, wenn wir die Ebene aus einer anderen Perspektive betrachten. Blicken wir direkt von oben auf die Ebene, liegt dieser Punkt unendlich weit entfernt. Diese Punkte nennt man Fernpunkte.